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2008-08-21 - Offenbach Post - "Psychisch bleibt da schnell was hängen" |
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"Psychisch bleibt da schnell was hängen"
Kollegen des verunglückten Bauarbeiters und Feuerwehrleute suchen das Gespräch, um mit Unfall fertig zu werdenUrberach (lö) - Die Polizei hat ihre Ermittlungen abgeschlossen, die Kräne drehen sich wieder: Knapp eineinhalb Wochen nach dem tödlichen Arbeitsunfall auf der Baustelle der Seniorenresidenz herrscht dort wieder Normalbetrieb. Doch der Tod des 52-Jährigen, der von einer zusammengebrochenen Treppe erschlagen wurde, geht den Kollegen nur schwer aus dem Kopf.
"Das ist keine Stelle, die man morgens sofort angeht", macht Bauleiter Heribert Gärtner erstmal einen Bogen um den Unglücksort. Besonders hart getroffen habe es Rohbau-Leiter der Firma Jökel und seinen Polier, die als Erste bei den Trümmern der zwei Tonnen schweren Treppe waren und erkennen mussten, dass jede Hilfe vergeblich war. Gärtner: "Psychisch bleibt da im Kopf schnell was hängen."Professionelle psychologische Betreuung lehnten die drei ab. Sie versuchen, das Geschehene aufzuarbeiten, indem sie darüber reden. Das Angebot von Geschäftsführer Peter Jökel, einen Tag frei zu machen oder auf eine andere Baustelle zu gehen, nahm keiner seiner Leute an. Sie wollten alle lieber weiterarbeiten "als daheim sitzen und sich den Kopf zerbrechen".Maria Kleinhenz vom Kriseninterventionsdienst der Malteser hat die Bauarbeiter am Unglückstag betreut. Ganz wichtig sei ihr gewesen, die Männer aufzuklären, was psychologisch in nächster Zeit mit ihnen passieren kann. Die Bilder werden vermutlich immer wieder wie ein Film in ihrem Kopf ablaufen, jeder Schrei erinnert sie an den Tod des 52-Jährigen: Die Malteser-Fachfrau erläuterte, was dann zu tun ist.Etwas einfacher wird die Sache für die Jökel-Leute durch die Ermittlungsergebnisse der Kripo. "Es war ein tragischer Unfall, bei dem man keinem der Verantwortlichen einen Vorwurf machen kann", sagte Polizeisprecher Henry Faltin. Die genaue Ursache will er mit Rücksicht auf die Angehörigen nicht nennen.Intensive Gespräche ja, darüber hinaus gehende Hilfe nein - das ist die Art der Urberacher Feuerwehr, mit diesem Unfall umzugehen. Wehrführer Ralph Reblin betont, dass die Feuerwehr da niemanden allein lässt. Es tue einfach gut, über solche schlimmen Dinge zu sprechen. Wer‘s nicht mit den Kameraden tun möchte, geht zu Pfarrer Klaus Gaebler.Der katholische Geistliche ist einer der Notfallseelsorger im Kreis Offenbach und versteht sich als "Ersthelfer für die Seele". Er rät auch hartgesottenen Feuerwehrleuten, dass sie nicht den starken Mann hervorkehren müssen, sondern zu Schwächen, Ängsten und Zweifeln stehen sollen.Die Urberacher Wehr hatte Gaeblers Hilfe zuletzt im späten Frühjahr angenommen. Damals war ein Familienvater am RWE-Umspannwerk mit seinem Auto ungebremst gegen einen Baum geprallt und in den Trümmern gestorben. Ans Eingemachte ging den Feuerwehrleuten auch der Selbstmord einer jungen Frau, die am Zilliggarten vor den Zug gelaufen war. Viele nahmen damals Gaeblers Gesprächsangebot an.
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