2006-12-18 - Offenbach Post - Feuer "Paramount Park"
20061226_headlineMehrere hunderttausend Euro Schaden in früherer Eissporthalle / Kripo vor schwierigen Ermittlungen zur Brandursache
Rödermark (lö) - Aus dem Dach des ehemaligen "Paramount Park" quoll auch gestern Morgen noch Rauch, das Platzen der Eternitplatten klang wie das Ploppen einer Sektflasche, drinnen ein Chaos aus verbogenen Stahlträgern, abgerissener Wandverkleidung und verkohlten Lautsprechern, dazwischen ein weiß gedeckter Tisch mit nur ein paar Ascheflocken:

 Ein Großbrand hat in der Nacht zum Mittwoch die frühere Nobeldiskothek und Eissporthalle bis auf die Grundmauern zerstört. Verletzt wurde zum Glück niemand, an Heiligabend war das "Nachtlicht" - so ihr jetziger Name - letztmals offen gewesen. Den Schaden bezifferte Polizeisprecher Josef-Michael Rösch auf mehrere hunderttausend, wahrscheinlich sogar eine halbe Million Euro. Noch im Spätsommer hatte Betreiber Holger Faust rund 200 000 Euro in den Umbau investiert.

"Wir ermitteln in alle Richtungen", wollte Rösch weder einen technischen Defekt noch fahrlässige oder gar vorsätzliche Brandstiftung ausschließen. Die Spezialisten der Offenbacher Kripo konnten mit ihren Ermittlungen noch nicht in vollem Umfang beginnen, weil Einsturzgefahr besteht. Es kann Tage dauern, bis die Brandursache geklärt ist. Rösch bestätigte gegenüber unserer Zeitung, dass die Polizei ein eingeschlagenes Fenster "in einer Ecke, in der die Feuerwehr nicht am Werk war" auf Einbruchsspuren untersucht.

Die Feuerwehr Ober-Roden war am Dienstagabend um 22.09 Uhr alarmiert worden, eine Brandmeldeanlage im Innern des rund 2 500 Quadratmeter großen Gebäudes gegenüber der Feuerwache hatte den Alarm ausgelöst. Die ganze Kapellenstraße war beim Eintreffen des ersten Löschzugs verqualmt. "Am Eingang hörten wir ein Knistern, weiter hinten war das Dach schon durchgebrannt", schilderte Stadtbrandinspektor Waldemar Schrod die Lage. Das Feuer müsse sich "sehr schnell" ausgebreitet haben. Schrod und Einsatzleiter Franz Keck forderten sofort Verstärkung aus Urberach und Nieder-Roden an, im Lauf der Nacht waren rund 130 Feuerwehrmänner und -frauen aus Rödermark, Rodgau, Dietzenbach, Langen, Dreieich, Neu-Isenburg und Klein-Krotzenburg im Einsatz.

Sie mussten den eigentlichen Brand bekämpfen und das Überspringen der Flammen auf die benachbarten Tennishalle verhindern. Anfangs versuchten sechs Trupps, das Feuer auch von Innen zu löschen, doch das war zu gefährlich. Schrod: "Als die ersten Decken runterkamen, haben wir die Leute rausgeholt."

Zwei Angaben des Stadtbrandinspektors verdeutlichten die Dimension des Feuers: Zwei Drehleitern und vier Teleskopmastfahrzeuge waren rund um das Gebäude positioniert, um von oben zu löschen. Die Einsatzkräfte benutzten so genannte B-Rohre - die leistungsfähigsten Schläuche, die sie noch mit der Hand halten können.

Gegen Mitternacht war klar, dass der "Paramount Park" nicht mehr zu retten war. Das kontrollierte Abbrennen dauerte bis gegen 4.30 Uhr. Die Tennishalle konnte dagegen mit etlichen zehntausend Litern Wasser erfolgreich gekühlt werden.

Außer den Feuerwehrleuten waren mehr als 30 Sanitäter, Schutz- und Kriminalpolizisten in der Kapellenstraße im Einsatz. Auch Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann und Bürgermeister Roland Kern informierten sich über die Löscharbeiten.

Fotos: FFW Urberach

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